Technikkurs für Kinder

Aus dem Verein

Technikkurs für Kinder: vom LED-Würfel zur Ampel

In unserem Technikkurs für Kinder wird nicht über Technik geredet, sondern gebaut – vom ersten Lötpunkt bis zum fertigen Programm. Angefangen haben wir mit Licht.

Ein Lötkolben, ein Arduino und eine Kiste mit Widerständen, LEDs und Kabeln: Diese Ausstattung haben die meisten Familien nicht zu Hause. Wer als Kind Technik ausprobieren möchte, braucht aber genau das – Material, Werkzeug und jemanden, der erklärt, was passiert, wenn zwei Kabel an der falschen Stelle stecken.

Mit Tech4Kids haben wir deshalb einen Kurs angeboten, in dem Kinder aus Setterich und Umgebung von Anfang an mit echten Bauteilen arbeiten. Vorwissen war nicht nötig, anschaffen musste niemand etwas. Mehr als sieben Kinder pro Kurs waren es nie, denn wer an einer Lötstation arbeitet, braucht jemanden an seiner Seite.

So läuft ein Kurs ab

Schritt 1

Grundlagen der Elektrotechnik

Am ersten Nachmittag wird noch nicht gelötet. Zuerst geht es um die drei Größen Strom, Spannung und Widerstand, ohne die später nichts funktioniert. Erklärt werden sie in einfacher Sprache und, wo es hilft, in der Muttersprache der Kinder. Denn wer nur weiß, welches Kabel wohin gehört, nicht aber, was darin passiert, kommt beim eigenen Aufbau schnell nicht weiter.

Widerstand Spannung LED

wie stark die Batterie drückt

was den Strom bremst

Strom: 6 V ÷ 6 Ω = 1,0 A — die LED leuchtet normal.

Erzählen lässt sich dieser Zusammenhang schlecht, ausprobieren dagegen gut: Dreh oben an den beiden Reglern. Mehr Spannung, und die Teilchen fließen schneller. Mehr Widerstand, und die LED wird dunkler.

Im Kurs passiert genau das, nur mit echten Bauteilen auf dem Tisch. Wer wissen will, was ein Widerstand tut, steckt einen größeren ein und sieht die LED dunkler werden. Wer es in die andere Richtung übertreibt, lernt nebenbei, warum vor einer LED immer ein Vorwiderstand sitzt. Diese kleinen Versuche sind Vorarbeit: Sie erklären, warum die Bauteile im späteren Projekt genau so gewählt werden müssen und nicht anders.

Schritt 2

Grundlagen der Programmierung

Im zweiten Schritt kommt der Arduino dazu, ein Mikrocontroller in der Größe einer Streichholzschachtel, der genau das tut, was man ihm aufschreibt. Bevor er das tun kann, müssen die Kinder wissen, wie ein Programm aufgebaut ist. Dafür schreiben wir einen einfachen Code, mit dem wir eine LED zum Leuchten bringen.

void setup() {
  pinMode(9, OUTPUT);      // LED an Pin 9 anmelden
}

void loop() {
  digitalWrite(9, HIGH);   // LED an
  delay(500);              // warten
  digitalWrite(9, LOW);    // LED aus
  delay(500);              // warten
}

wie lange die LED an bzw. aus bleibt

Wie lang gewartet wird, steht als Zahl im Programm. Zieh am Regler und schau der LED zu: Aus 500 werden 100, und das Blinken wird so schnell, dass man es kaum noch mitzählen kann.

Im Kurs hängt am Ende dieses Programms eine echte LED auf dem Steckbrett. Und weil es dabei nicht bleiben soll, kommt als nächstes die Aufgabe, mehrere LEDs abwechselnd blinken zu lassen. Welche Bauteile es dafür braucht und wie sie verschaltet werden, entscheiden die Kinder selbst – hier greift zusammen, was sie über Elektrotechnik gelernt haben und was sie über Programmabläufe wissen. Der Weg von der Zahl im Code zum Ergebnis auf dem Tisch ist kurz, und genau das nimmt dem Programmieren den Schrecken.

„Ich hab gedacht, es wäre viel schwieriger zu programmieren. Jetzt finde ich es einfach.“ — Yassine, 15 Jahre

Schritt 3

Löten und Zusammenbau

Bis hierhin steckten alle Bauteile im Steckbrett, wo man sie jederzeit wieder herausziehen kann. Damit daraus ein Gerät wird, das man mitnehmen kann, müssen die Verbindungen dauerhaft halten. Deshalb lernen die Kinder in diesem Schritt zuerst löten, und zwar an Übungsmaterial, bei dem nichts verloren ist, wenn eine Stelle misslingt.

Das ist der Teil des Kurses, der die größte Aufmerksamkeit braucht. Eine Lötspitze wird mehrere hundert Grad heiß, das Zinn ebenso. Jedes Kind arbeitet an einem festen Platz und wird dabei begleitet. Dass nie mehr als sieben Kinder im Kurs sind, hat genau hier seinen Grund.

Kind lötet im Technikkurs für Kinder eine LED auf eine Lochrasterplatine
Erst wird an Übungsmaterial gelötet – jedes Kind an einem festen Platz.

Geübt wird weniger Technik als Geduld: ansetzen, warten, Zinn zugeben, wegnehmen, abkühlen lassen. Eine gute Lötstelle glänzt. Eine, die zu früh losgelassen wurde, wird grau und hält nicht. Diesen Unterschied sieht man schneller, als man ihn erklären kann.

Erst danach kommt das eigene Projekt auf den Tisch. Was vorher auf dem Steckbrett entstanden ist, wird jetzt fest verlötet: beim LED-Würfel Reihe für Reihe, bei der Ampelschaltung samt Display und Motor. Und dann wird getestet.

Selbst gebauter LED-Würfel aus roten LEDs auf einer grünen Platine
Der LED-Würfel von Hand verlötet.
Selbst gebaute Ampelschaltung mit drei LEDs, Display und Motor
Die Ampelschaltung mit Display und Motor.

Beim Testen zeigt sich, ob alles sitzt, und meistens tut es das nicht auf Anhieb. Eine LED bleibt dunkel, ein Kabel steckt eine Reihe daneben, der Motor dreht in die falsche Richtung. Fehler suchen gehört zum Bauen dazu – und weil die Kinder ihre Schaltung selbst entworfen haben, wissen sie auch, wo sie suchen müssen.

Aus einem Projekt wird ein Dauerangebot

Am Anfang klingt Programmieren nach etwas, das andere machen. Leute mit einem Studium, mit teurer Ausstattung, jedenfalls nicht Kinder ohne Vorkenntnisse. Am Ende gingen die Kinder auch an Aufgaben heran, die kompliziert aussahen. Nicht weil sie plötzlich alles wussten, sondern weil sie gelernt hatten, ein Problem so lange zu zerlegen, bis ein Teil davon lösbar ist.

Deshalb haben wir entschieden, dass es nicht bei einzelnen Durchgängen bleiben soll. Wir haben das Programm fest in unsere TechWerkstatt integriert. Dort können Jugendliche und Erwachsene an eigenen Projekten arbeiten. Mit Lötstationen und elektronischen Bauteilen wie bisher, dazu 3D-Drucker, 3D-Scanner und Lasercutter. Wer eine Idee hat, entwickelt sie von der ersten Skizze bis zum fertigen Werkstück selbst und muss dafür nicht warten, bis der nächste Kurs beginnt.

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